Die Karten versprechen eine große Reise (2)

Januar
2014

Mir wird klar: Ich habe das völlig falsch angefangen. Wen interessiert denn hier der Karo-Bube? Um den geht es doch überhaupt nicht. Es geht um mich.
Also lege ich die Karten noch mal neu. Natürlich wieder nach dem bewährten ESLfEN-System. *
Dieses Mal lege ich die Herz-Dame in die Mitte. Als Symbol für mich.
Alle Frauen-Zeitschriften und Psycho-Ratgeber und Facebook sagen dir immer wieder: Du bist die Person, mit der du dein ganzes Leben verbringen wirst. Gewöhn dich dran und mach das Beste draus.
Also sollte ich die Karten für mich legen, und nicht für irgendwelche nicht-existenten Karo-Buben.
Zuerst die Herz-Dame offen auf den Tisch.
Karten mischen.
Oberste Karte nehmen
Auf die Herz-Dame legen.
Umdrehen ...
 
Hallo die Enten – es ist die 10 Kreuz. Die von gestern, die Karte mit der großen Reise. Ich fasse es nicht. Wie wahrscheinlich ist das denn!
Total wahrscheinlich, ehrlich gesagt. Erstens sind es nur 32 Karten, weil es ein Skatspiel ist und zweitens ist eine Karte so wahrscheinlich wie die andere, weil es den Karten ja egal ist, wer wann kommt. Äh – außer beim Kartenlegen natürlich, was die Zukunft betrifft. Aber mathematisch-statistisch ist es ihnen egal. Und selbst wenn die große Reise tausend Mal kommt, ist es im großen Rahmen der Statistik über hundert Millionen Jahre durchaus im Rahmen des Normalen. Die einzige Karte, die nicht kommen kann, ist die Herz-Dame, denn die liegt ja schon.
Das ist alles, was ich über Statistik weiß. Ansonsten ist sie mir ein Rätsel. Genauso rätselhaft wie die Rätsel in meinem Logo-Logo Buch, das ich vor einigen Tagen bei der Heilsarmee erstanden habe.
Das Logo-Logo Buch ist ein Buch voller Pop-up-Rätsel. Und jetzt mal ehrlich, genau genommen ist doch das ganze Leben voller Pop-up-Rätsel, oder etwa nicht. Allerdings ist schon das erste Rätsel im Logo-Logo Buch unlösbar.
Vier Pop-up-Kartenspieler sind über zwei Schnüre an ihren Handgelenken miteinander verbunden. Die beiden Schnüre sind gekreuzt. Und angeblich kann man die beiden Schnüre entkreuzen ohne a) die Knoten zu lösen, b) die Fäden zu zerschneiden und c) das Pop-up zu zerstören.
Ist das der Grund, warum ein Buch, das in Deutschland 49,90 gute alte D-Mark gekostet hat, jetzt im 1-Dollar-Regal bei der Heilsarmee in Campbell River steht?
Weil jeder aufgibt und das Buch loswerden will?
Ich versuche es und gebe auf.
Die beiden Nachbarinnen versuchen es und geben auf.
Eine weitere Freundin versucht es und gibt auf.
Hat jemand in Deutschland vor vielen Jahren das Buch gekauft und ist gleich an Rätsel eins gescheitert? Hat er sich vielleicht gefragt, was er mit diesem Buch machen soll, denn zum Wegwerfen ist es ja zu schade. Hat er dann womöglich eine Karte gezogen und es war die 10 Kreuz? Das ist ja statistisch völlig wahrscheinlich. Und hat er das Buch wegen dieser Karte auf die lange Reise nach Campbell River geschickt? Oder hat er es nach Moskau geschickt und dort hat es dann jemand mit nach Nanaimo genommen, von wo aus es nach Campbell River kam?
Wir werden es nie wissen, aber wenigstens ist das Kartenspieler-Rätsel gelöst. Und zwar von Ms J.E. in T. Sie versucht eine Weile die Schnüre zu entwirren und sagt dann:
"Ich glaube es war so. Ein Großvater muss seine Enkel hüten. Und damit sie den ganzen Nachmittag beschäftigt sind, löst er die Knoten und knotet es anders wieder zusammen, damit es unlösbar ist."
Ja, so wird es gewesen sein. Das leuchtet doch sofort ein.
Aber was, wenn das Universum sich mit den Pop-up-Rätseln meines Lebens auch solche Scherze erlaubt? Manches deutet leider daraufhin.
Und jetzt hat es mir zweimal die 10 Kreuz hingelegt.
Und die große Reise?

Das ist das aktuelle Pop-up Rätsel meines Lebens...

 

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